Fischerei im Hoch und  Spätmittelalter

Mittelalterliche Fischerei in Schleswig

Als Berufsfischer wohne ich in  Schleswigs alter Fischersiedlung Holm. Diese ist seit dem 12 Jahrhundert datierbar, urkundlich erstmals erwähnt wird der Holm 1285.

Schleswigs ältestes Fischereirechts entstand in der Zeit zwischen 1188 und 1202 . Dort wird wurde im lateinisch geschriebenen Stadtrecht erwähnt, dass die Schlei dem König gehört und den Fischern das Recht zugestanden wurde, frei mit der Wade in der ganzen Schlei zu fischen. Auch gibt es in Schleswig aus dieser Zeit das erste schriftlich fixierte Fischereigesetz. (Zitat aus Jahnke, Städtische und freie Markt - Fischerei, Seite 290 § 71):

Mittelalterstand

Die Fischer mögen frei fischen, auf der ganzen Schlei,
und das Waden - Reep auf das Land setzen,
so weit, als man aus dem Schiff mit einem Ruder werfen kann,
und die Fischer sollen nicht ziehen mit der Krockwat ( = Zugnetz) auf Pfingsten ohne Erlaubniß vom Rath.

Die Erwähnung „ohne Erlaubniß vom Rath“ zeigt, dass die Fischereirechte zu dieser Zeit bereits vom König der Stadt Schleswig übergeben worden waren.( J. Rathjen, 2005)

Etwa 50 Jahre nach der Ersterwähnung des ältesten Schleswiger Fischereirechtes stammt auch die Erwähnung der Auffindung der Leiche des dänischen Königs Erich Ploegpenning im Jahre 1250 durch Fischer bei Missunde.

König Erich Ploegpenning wurde auf Anordnung seines Bruders Herzog Abel durch dessen Ritter ermordet und enthauptet in der Schlei versenkt.An dem Ort der Auffindung der Leiche des toten Königs wurde ein Holzkreuz errichtet. Auch heute noch ist dieser Ort ist bei den Holmer -Fischern als Wadenzug „Zum finsteren Stern“ bekannt.

Im späten 15. Jahrhundert wird die Fischerei in Schleswig wieder erwähnt.

Um 1480 hatte es wiederholt Konflikte zwischen den Schleswiger  Fischern und dem Adel gegeben.So beraubte der Adlige Otto Sehestedt  den  Schleswiger Fischer Olef Stapelholm seines Fanges.  Obwohl Fischer Stapelholm den ersten Fisch vom Fang und und die von  Sehestedt verlangte Menge Fisch gegeben hatte, zwang  der Adlige den Fischer mit vorgehaltenen Armbrüsten in den Händen seiner Knechte zur Herausgabe seines gesamten Fanges. Junker Pavel Breide, ein anderer Adliger, beraubte Olef Stapelholm später, nachdem dieser auf der Füsinger Au gefischt hatte.Es half Fischer Stapelholm auch nicht, Junker Breide den besten Lachs des Fanges anzubieten. Pavel Breide war es auch, welcher den Fischer des Bürgers Drewes Schwertfeger beraubte. An die Fischer richtete Junker Breide die Drohung, allen den Fang wegzunehmen und die Netze zu zerstören, welche „sein Noor“ befischten.

Zusätzlich zu den Übergriffen des Adels wurde die Schleswiger Fischerei durch Heringszäune behindert, welche Großgrundbesitzer, Adel und Kirche errichten ließen. Diese Fischzäune in Form von Pfahlreihen  blockierten die gemeinschaftlich  mit der Wade (Zugnetz) ausgeübte Fischerei.

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So beschwerte sich der Rat der Stadt Schleswig in einem Klageschreiben  bei König Christian Ι und Königin Dorothea von Dänemark. Am 28. September 1480 erteilte daraufhin der König den Schleswiger Fischern das alleinige Privileg, die Schlei zu befischen. Dieses Fischereirecht beinhaltete die Fischerei auf der gesamten Schlei von Schleswig bis eine Meile hinter Schleimünde. Ausdrücklich verbot der König  auch die Behinderung der Fischerei durch Zäune und Pfähle.

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