Fischerei im Frühmittelalter und der Wikingerzeit

Wikingerzeitliche Fischerausstellung

Kapitel1

IIm Frühmittelalter gibt es zahlreiche archäologische Nachweise für eine intensive und professionell ausgeübte Fischerei. Eine umfangreiche Auswahl nachweisbarer Fischereigeräte und Fischereitechniken sind sowohl aus Nord- und Mitteleuropa überliefert.

Obgleich viele der damaligen Gerätschaften aus  vergänglichen Materialien wie pflanzlichen und tierischen Fasern, Holz, Rinde etc. bestanden, so lässt sich doch aus den erhaltenen Funden ein aussagekräftiges Bild über die verwendeten Fanggeräte und die angewandten Fangtechniken ableiten. Intensiv wurden sowohl Binnen, als auch Küstengewässer befischt.

Lokal konnte die Fischerei sogar von erheblicher Bedeutung für die Ernährung der Bevölkerung sein. Neben dem Nachweis der Überreste von Fischereigeräten sind die Auswertungen von Fischresten aus Siedlungsfunden sehr informativ. Mit ein paar Einschränkungen lassen sich hier sogar wissenschaftliche Aussagen zu den bevorzugten Speisefischarten sowie zu der Größe der gefangenen und verzehrten Fische treffen.

Besonders glücklich ist der Umstand, wenn sich dazu noch zeitgenössische schriftliche Überlieferungen, der Nachweis von Fischereigeräten und des verzehrten Fisch ergänzen.  Dies trifft zum Beispiel auf die Stadt Haithabu an der Schlei zu, welche vom 9 -11. Jh. für den Handel an der Südgrenze Dänemarks von Bedeutung war.

Die Bevölkerung dieses Handelsortes, welche sich aus Skandinaviern, Friesen, Slawen, Sachsen und Franken zusammensetzte, ernährte sich zu einem großen Anteil von Fisch.

„Die Stadt ist arm an Waren und Reichtum, die Hauptnahrung der Einwohner ist Fisch,

denn den gibt es hier reichlich.“

erwähnt der Handelreisende und Diplomat At Tartûschi aus Tortosa ( Spanien) im Jahre 965.

Da ich als Berufsfischer im Vollerwerb ca, eine Seemeile nördlich von Haithabu in der Fischersiedlung „Holm“ in Schleswig wohne, ist die Fischereigeschichte dieser Siedlung eines meiner Interessensgebiete. Auch unter Wasser ist die frühmilttelalterliche Stadt noch präsent, vor allen durch die Reste der damaligen Steganlagen und durch Haufen von Ballaststeinen der Schiffe, welche dort anlegten. So gebe ich mir als Fischer Mühe, die Hinterlassenschaften von Haithabu nicht zu beschädigen, wobei allerdings mancherorts die archäologischen Überreste auch noch stabil genug sind, moderne Fischernetze zu beschädigen.

Da die Schlei heute noch im wesentlichen den gleichen Fischbestand  wie zu der Wikingerzeit hat, habe ich diesen Umstand seit 1995 wiederholt genutzt, Rekonstruktionsversuche frühmittelalterlicher Fanggeräte vor Ort auszuprobieren. Als ein gutes Experimentierfeld erwies sich das Haddebyer Noor, da dort außer der Berufsfischerei keine Motorboote fahren und sich gerade im Frühjahr und im Herbst gute Fangbedingungen für die seinerzeit in Haithabu begehrtesten Fischarten bieten. Auf die Ergebnissen dieser Fischereiexperimente komme ich noch später.zurück.

Die Funde aus Haithabu sind ein interessantes Beispiel frühmittelalterlicher Fischerei, Leider wird seit der Eröffnung der neuen Ausstellung im Jahre 2010 im Haihabumuseum kaum mehr etwas davon gezeigt. Belegbar sind für Haithabu die Fischerei mit verschiedenen Fanggeräten wie Angelgerät, verschiedenen Netzen, sowie Fischspeeren, die in den Veröffentlichungen zu den verschiedenen Ausgrabungen publiziert wurden.

Den Ausgrabungen aus  Haithabu möchte ich zeitgleiche Funde von anderen archäologischen Fundplätzen in Nord - und Mitteleuropa gegenüberstellen, welche Aussagen zu den gebräuchlichenTechniken der damaligen Küsten und Binnenfischerei sowie der gefangen Fische ermöglichen. Diese Fanggeräte und Fangtechniken beschreibe ich im späteren Text detaillierter.

Im frühen Mittelalter wurde die Fischerei von spezialisierten Fischern professionell sowie  von Teilen der Bevölkerung als Nahrungserwerb betrieben, wobei ich mit diesem Text versuchen möchte, die gebräuchlichen Techniken so genau wie möglich darzustellen. Eine große Hilfe ist mir dabei, das ich seit Anfang der neunziger Jahre viele der beschriebenen Fanggeräte erstmals nachgefertigt und selber ausprobiert habe. Vermutlich wird sich der Alltag eines frühmittelalterlichen Fischers auch bei intensivster Beschäftigung mit dem Thema nie ganz rekonstruieren lassen, dafür aber ein Teil seiner  Fangmethoden..00

Bemerkung: 1 sm (Seemeile) = 1,852 Km

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